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„Beim KI-Einsatz liegen die Vorteile auf der Hand“

30. Juni 2023 – Der Banken-Software-Anbieter Objectway aus Italien möchte im deutschsprachigen Markt stärker Fuß fassen. Karl im Brahm, als CEO für die DACH-Region zuständig, erläutert im Gespräch, welche Herausforderungen er für die hiesige Bankenlandschaft sieht und in welchen Markttrends er Chancen für Objectway erkennt.

Die italienische Objectway-Gruppe zählt laut IDC Fintech Rankings zu den „Top 100 Global Fintech “-Anbietern in der Ban-ken-Software-Branche. Eigenen Angaben zufolge verwalten deren Kunden über 1 Bill. Euro an Vermögenswerten. Die An-wendungen werden demnach von mehr als 100.000 Finanzberatern, Privatban-kiers und Kundenbetreuern bei der Ver-waltung von über 700 Mrd. Euro AUM (Assets under Management) für über 5 Millionen Anleger genutzt.

Im Geschäftsjahr 2022 überstieg der Umsatz der Gruppe mit rund 800 Mitar-beitern 100 Mill. Euro. Zu den Kunden zählen mehr als 200 Banken, Vermögens-verwalter, Assetmanager und Wealth Manager sowie Versicherer in der gesamten EMEA-Region, darunter internationale Bankengruppen wie BNP Paribas, KBC, ABN Amro, UBS oder Rabobank. Object-way agiert in den einzelnen Ländern/Regionen über lokale Marken und ist in zehn Ländern aktiv. In Deutschland liegt der Fokus auf Privatbanken wie Hauck Aufhäuser Lampe, Bankhaus Metzler, ABN Amro Bethmann, Warburg Bank, Merck Finck, Baader Bank und Oddo BHF.

Ambitionierte Wachstumsziele

Doch obwohl seit drei Dekaden aktiv, ist das Unternehmen im deutschen Markt eher Fachleuten ein Begriff. Das soll sich ändern, denn Objectway hat ambitio-nierte Wachstumsziele, wie Karl im Brahm im Gespräch mit der Börsen-Zei-tung darlegt. Seit Februar 2022 ist er, zuvor Deutschland-CEO der Avaloq-Gruppe, Geschäftsführer bei Objectway für den deutschsprachigen Raum. Ein halbes Jahr zuvor war „Die Software Peter Fitzon GmbH“ übernommen worden, ein Unternehmen mit über 30 Jahren Erfahrung im Bereich klassische Kernbankenlösungen für Privatbanken.

Mit dieser Übernahme habe sich Objectway breiter aufgestellt, unterstreicht im Brahm, und könne „front to back“alles abdecken, was an Banken-Software erforderlich ist, von Kunden-Onboarding und Client Management bis zu E-Banking-Lösungen. Darüber hinaus offeriere Objectway Back-Office-Anwendungen für das Wealth und Assetmanagement, also auch für die Administration von Wertpa-piergeschäft. Und nicht zuletzt gehöre das klassische Corebanking zu den Dienstleistungen. In Deutschland gebe es elf Kunden, die die Kernbanken-Plattform nutzen, vornehm-lich im Privatbankensektor. Wie im Brahm ausführt, gehe es hierbei um ein klassi-sches „Software as a Service“-Modell (SaaS) mit dem Ziel, die Kunden auf den Wandel, also Technologiewechsel, vorzu-bereiten: „Dabei verfolgen wir strategisch eine Plattformstrategie, um auch bei unse-ren Kunden Economies of Scale zu gene-rieren.

Das geht nur über Plattformen, über Bündelung und über Standardisierung. Gleichzeitig wollen wir die Kompe-tenzen, die wir in den Märkten haben, also Economics of Scope, diese Bank-Fach-lichkeit, das Bankwissen und das IT-Ver-ständnis, aufrechterhalten, um gemeinsam mit den Kunden zu wachsen und auch mit ihnen in Auslandsmärkte zu gehen.“Im Brahm sieht derzeit viele herausfor-dernde Markttrends sowie veränderte Kundenbedürfnisse und nennt Stichworte wie Mobile First und Cross-Channel-An-gebote. „Das sind schöne Buzzwords, aber auch das muss man technologisch abbil-den können“, betont der Manager.

Denn es gebe eine „sehr ambitionierte “Wett-bewerbssituation im deutschen Markt. Zudem sei die Regulierung nach der Finanzmarktkrise nicht weniger geworden. Das könne aber auch gleichzeitig ein Trei-ber für Innovation sein: „Themen wie etwa der ganze Mifid-Prozess führen zu einer erhöhten Transparenz für den Kun-den, was ja ein Kundenbedürfnis ist. Das kann man natürlich über technologische Lösungen wunderbar abbilden.“Im Core-Banking-Umfeld sieht sich Objectway gut aufgestellt. Ziel sei nun, den Bestandskunden weitere Lösungen aus einem Technologie-Stack heraus modular anzudienen, um auch Ökosysteme anbieten zu können. Dabei sollen klassische Objectway-Produkte, die bis dato nicht in Deutschland offeriert wurden, auch hier platziert werden. Gleichzeitig solle der Wandel stärker vom klassischen Lizenz-geschäft zum SaaS-Modell gelingen. 10% Wachstum pro Jahr erachtet er als realistisches Ziel, weil der Markt in Bewegung sei. In Deutschland gebe es rund 1.700 Banken. Eine große Konsolidierungswelle stehe nach wie vor bevor, auch wenn diese schon seit Jahren stetig voranschreite. Während die Anzahl der Institute sinke, würden aber die Total Assets im Markt an-steigen. Im Brahm zufolge gibt es rund 9 Trill.

Euro Total Assets im deutschen Markt, der damit einer der größten Märkte in Europa sei. Angesichts dieses Markt-umfelds sehe er viel Potenzial. Hinzu käme, dass nach der Finanzmarktkrise die Regulatorik zu Recht stark im Fokus ge-standen hätte, sodass über Jahre die IT-Budgets von Banken ausschließlich in re-gulatorische Projekte gewandert seien. Doch jetzt erkenne im Brahm eine Ver-schiebung, denn Banken würden weniger in Regulatorik investieren, sondern auch zunehmend wieder in Marktlösungen. Zudem erkennt im Brahm Chancen in den zahlreichen Herausforderungen, vor denen die Kreditwirtschaft steht.

Immerhin gebe es auch die Bedrohung durch Neobanks, die mit sehr speziellen Geschäftsmodellen in den Markt gehen und ein Stück vom Kuchen abschneiden. Kreditinstitute könnten eigentlich nur Marktanteile verteidi-gen, indem sie in Technologien investie-ren. Im Vermögensgeschäft seien etwa 30% der High Net Worth Individuals wechselwillig. „Die werden in den nächs-ten zwei bis drei Jahren ihre Wealth Ma-nager wechseln“, ist sich im Brahm sicher.

Als weitere Herausforderungen für Finanzdienstleister nennt im Brahm Cloud Computing, Open API und Open Banking, Blockchain, ESG oder künstliche Intelligenz. Alleine beim Cloud Computing habe im Brahm in den letzten Jahren einen massiven Wandel hinsichtlich der Akzeptanz wahrgenommen. Bei Cloud Services gehe es nicht nur um Kostenoptimierung, sondern vielmehr darum, schneller sowie besser Software entwickeln und ausrollen zu können. In den meisten Häusern gebe es eine klare Cloud-SaaS-Strategie, und die Transformation sei bereits eingeleitet: „In zwei, drei Jahren reden wir hier über eine Selbstverständlichkeit, nicht mehr über einen Trend.

“Gleiches gilt für eine andere wichtige Entwicklung aus Sicht von im Brahm: Open Banking, also die Fähigkeit, Öko-systeme an die Legacy-Kernplattformen von Banken über Schnittstellen (APIs) an-zubinden. Auch das sei schon weit fort-geschritten in der Umsetzung. Beim Thema Blockchain seien die Vor-teile erkannt, nun gehe es darum, Effizien-zen und Sicherheit bei Daten und Transaktionen zu verbessern sowie die Kosten zu senken. Es gebe immer noch Berührungsängste bei den Banken, doch: „Alle unsere Kunden beschäftigen sich mit der Technologie und mit den Prozessen. Es gibt eine große Bereitschaft, sich damit auseinanderzusetzen. Viele Häuser haben Sonderprojekte aufgesetzt, Abteilungen gegründet. Unsere Kunden haben ‚Digital Assets‘durchgängig in ihren Prozessen abgebildet.“

Doch nach wie vor müsse man schauen, für welche Use Cases das gewinnbringend ist und wo nicht.Bei Künstlicher Intelligenz (KI) gibt sich im Brahm als Fan zu erkennen: „Beim KI-Einsatz liegen die Vorteile so was von auf der Hand“. Gleichwohl sehe er auch die Risiken, etwa bei ChatGPT. Hier bräuchte es einen regulatorischen Rahmen. Anwendungsfälle bei Banken gebe es indes viele, im Kundenservice über Chatbots, beim Risikomanagement, indem sich über Algorithmen Risiken im Bankwesen minimieren oder Betrugsfälle früher erkennen lassen. Kundenverhalten zu analysieren und personalisierte Ange-bote daraus zu generieren, sei ebenfalls eine Option. Und auch bei Kreditvergabe-prozessen lasse sich eine KI gut einsetzen, etwa bei der Kreditanträge-Automatisie-rung oder der Beschleunigung des Bewil-ligungsprozesses. Darüber hinaus könne eine KI auch im Wealth oder Assetmanagement Portfolio-strukturen generieren und Anlageportfo-lios optimieren. Damit würden sich im Brahm zufolge alle Häuser beschäftigen. Objectway biete bereits KI-basierte Lösun-gen in einzelnen Services an.

Doch wie schnell Banken bereit sind, hier einen Technologiewechsel einzuleiten, sei auch ein kapazitäres Thema. Da gehe es um den Kampf um Talente und darum, die richti-gen Skills und Mitarbeiter an den richti-gen Projekten und Stellen zu haben. Es sei eine ganz eigene Herausforderung, die neuen Technologien zu verstehen und nutzbringend einzusetzen.

EBIT-Marge von 25 bis 30 Prozent

Insgesamt sieht im Brahm Objectway gut positioniert, um zu wachsen und in dieses Wachstum zu investieren. Das liege auch an der Struktur des Unternehmens, bei dem der Gründer Luigi Marciano die meisten Anteile hält. Die Firma sei kerngesund, betont im Brahm mit Blick auf eine EBIT-Marge von 25 bis 30%. In den nächsten Jahren werde die Gruppe sich mit Finanzierungsmöglichkeiten am Markt auseinandersetzen. Über Wachs-tumsfinanzierung mache sich der Gründer zwar Gedanken, es sei aber noch nicht so weit, dass man konkrete Maßnahmen ein-leiten würde. Ziel sei nicht, Anteile zu ver-kaufen, um bloß Geld zu generieren. Viel-mehr müsse ein potenzieller Investor zum Geschäftsmodell passen.Gleichzeitig sei Objectway umgekehrt immer bereit, Zukäufe zu tätigen. Es gehe also nicht nur um organisches Wachstum. Wenn es gute Opportunitäten in den Märkten gebe, sei die Gruppe bereit, zu investieren und Zukäufe zu tätigen.

Da ist neben dem nach wie vor hohen regulato-rischen Druck zum einen das Thema Zins-politik zu nennen, also Margenverfall im klassischen Banking. Banken haben keine andere Wahl, als zunehmend in Zukunfts-technologien zu investieren, um Disrup-tion zu vermeiden.

Testimonial

Karl im Brahm

Objectway CEO DACH Region