--> Skip to main content

„Digitalisierung kompensiert geringere Margen mittelfristig durch Effizienzgewinne“

23. August 2023 – Karl im Brahm kennt den deutschen Software-Markt für Banken seit Jahren. Mittlerweile ist im Brahm Deutschlandchef des italienischen Software-Konzerns Objectway – und erklärt im Interview, wann Digitalisierung im Private Wealth Management Sinn ergibt und warum der „menschliche Faktor“ bleibt.

Logo Private Banking Magazin

Karl im Brahm ist Deutschlandchef von Objectway: „Wenn ein Private-Wealth-Anbieter eine Integration gut und nachhaltig umsetzen will, muss er sehr genau planen.“

private banking magazin: Tun sich Private Wealth Manager bei der Digitalisierung schwer?

Karl im Brahm: Wir erleben in der Finanzindustrie einen enormen Veränderungsdruck. Daher lässt sich nicht pauschal beantworten, ob sich die Private Wealth Manager in der Digitalisierung schwertun. Aber die Rahmenbedingungen sind sicherlich sehr herausfordernd.

private banking magazin: Was meinen Sie damit genau?

Karl im Brahm: Durch die Zinspolitik sehen wir seit Jahren einen verstärkten Fokus auf das Beratungsgeschäft und sprechen von der Demokratisierung des Wealth Managements. Zurückgehende Margen im Banking führen schießlich zu einer Anpassung der Geschäftsmodelle. Wir stellen auch deshalb eine erhöhte Nachfrage nach einem Outsourcing im Kontext von Software-as-a-Service und Business-Process-as-Service fest, um von standardisierten Services und gemeinsamen Entwicklungen in der Community zu profitieren. Zudem investieren die Finanzinstitute zunehmend in Zukunftstechnologien, um im Wettbewerb mit den sogenannten Neo-Banken keine Marktanteile zu verlieren. Wer gehofft hat, dass der regulatorische Druck nach über 15 Jahren nach der Finanzmarktkrise eigentlich hätte abnehmen müssen, erkennt, dass wir unverändert ein sehr hohes Niveau an regulatorischen Vorhaben haben und Jahr für Jahr umsetzen müssen.

private banking magazin: Gilt das auch für den Software-Markt im Private Banking?

Karl im Brahm: Ja, weil sich das Kundenverhalten verändert. Mehr als 30 Prozent der HNWI+ wollen in den kommenden 3 Jahren ihren Vermögensverwalter wechseln, zudem werden Preisgestaltung, Transparenz und Nachhaltigkeit in der Vermögensverwaltung wichtiger. Und – ich nenne es „Mobile first“ – Kunden bevorzugen ein kanalübergreifendes Kundenerlebnis und Self-Service-Möglichkeiten, auch im Private Banking.

private banking magazin: Wie reagieren Private-Wealth-Anbieter auf Software-Seite darauf?

Karl im Brahm: Unsere Kunden und ich glaube alle Markteilnehmer beschäftigen sich intensiv mit mehreren Themenkomplexen:

  • Cloud Services, um ihre IT-Infrastrukturen zu modernisieren, Kosten zu senken, die Skalierbarkeit ihrer Systeme zu verbessern und die Effizienz von Geschäftsprozessen zu steigern.
  • Künstlicher Intelligenz, um hochpersonalisierte Portfolios und Anlagevorschläge zu ermöglichen, wodurch die Kundenbeziehung in den Mittelpunkt gerückt wird
  • Blockchain und Distributed-Ledger-Technologie (DLT), um die Effizienz von Transaktionen zu erhöhen, die Daten- und Transaktionssicherheit zu verbessern und Kosten zu senken.
  • Cybersicherheit, um ihre Systeme und Kundendaten zu schützen und
  • Open Banking, welches die Grundvoraussetzung für die Zusammenarbeit in einem umfassenden Ökosystem ist.

private banking magazin: Im Private Wealth Management beruft man sich allerdings gerne auf den „menschlichen Faktor“. Wofür dann Software?

Karl im Brahm: Ich sehe die Vorteile eher im Zusammenspiel zwischen Mensch, Technologie und Software. Aber ja: Der „menschliche Faktor“ im Private Wealth Management ist unersetzlich. Er ist die Grundlage für Vertrauen. Software und Technologie können aber den Kundenservice und die Effizienz im Beratungsprozess verbessern. So vertrauen Banken auf Portfoliomanagement-Lösungen, um komplexe Algorithmen zur Vermögensallokation und Risikobewertung zu erstellen und zu überwachen. Im Kundenbeziehungsmanagement hilft Software und Technologie, Transaktionen und Kundendaten zu organisieren. Kanalübergreifende und effektive Kommunikation und bessere Kundenbetreuung werden so gewährleistet. Und besonders wichtig: Darüber hinaus ermöglicht der Einsatz von Software ein passgenaues Kunden- und vor allem das regulatorisches Reporting im Einklang mit den gesetzlichen Vorgaben.

private banking magazin: Ist die Software-Integration im Private Wealth Management vor diesem Hintergrund besonders herausfordernd?

Karl im Brahm: Herausfordernd, da es im Lösungsraum für das Private Wealth Management eine Vielzahl von komplexen Prozesse und Schnittstellen und individuellen Anforderungen gibt. Für die Umsetzung solcher Vorhaben benötigen die Anbieter in der Regel ein hohes Markt-, bankfachliches und prozessuales und Technologie-Verständnis. Wenn ein Private-Wealth-Anbieter eine Integration gut und nachhaltig umsetzen will, muss er sehr genau planen und auf die Interoperabilität der Software-Lösungen und Umsysteme achten, um nahtlose und effiziente Prozess zu ermöglichen. Darüber hinaus sind frühzeitig die Mitarbeiter zu trainieren.

private banking magazin: Was fragen Unternehmen aus dem Private Wealth Management in Sachen Software nach?

Karl im Brahm: Was wir immer vorfinden, sind Anforderungen daran, die Kundenerfahrung zu verbessern, Prozesseffizienzen zu steigern oder Systemunterstützung im Kontext von Anlageentscheidung. Dazu kommen ferner Anforderungen aus dem Risikomanagement, der Datensicherheit, der Cyber Security und der Compliance. Es werden dabei vermehrt die Lösungen nachgefragt, die im Software-as-a-Service-Modell betrieben werden können.

private banking magazin: Einige Private-Wealth-Anbieter wollen die geringeren Margen im Kundengeschäft mit niedrigerem Vermögen durch Digitalisierung wettmachen. Ergibt das Sinn?

Karl im Brahm: Mit der zunehmenden Digitalisierung und der Entstehung neuer Fintech-Unternehmen und dem Angebot über Online-Plattformen und Robo-Advisors haben jetzt auch breitere Bevölkerungsgruppen die Möglichkeit, ihre Anlageportfolios aufzubauen und zu verwalten. Die Technologie macht diese Entwicklung erst möglich. Und ich sehe nur Vorteile. Die Banken erreichen eine größere Kundenbasis, sie automatisieren Prozesse und können sich somit auf komplexere Kundenbedürfnisse fokussieren. Sie können darüber ihr eigenes Geschäftsmodell skalieren und ihre Angebotspalette diversifizieren, um den unterschiedlichen Kundenbedürfnissen gerecht werden. Die Digitalisierung kompensiert geringere Margen mittelfristig durch Effizienzgewinne.

private banking magazin: Wie sieht der Softwaremarkt für das Private Wealth Management in Deutschland aus?

Karl im Brahm: Es gibt eine Vielzahl von Software-Lösungen, die von verschiedenen Unternehmen angeboten werden. Der Lösungsraum reicht von Kunden-Onboarding, sogenannten Client-Lifecycl-Management-Systemen und Portfoliomanagement-Lösungen bis hin zu Robo-Advisor-Plattformen und Reporting-Tools, wobei es nur wenige Anbieter gibt, die für alle Ansprüche Software entwickeln.

private banking magazin: Ergibt es vor diesem Hintergrund Sinn, unterschiedliche Softwaredienstleistungen modular über Schnittstellen zu verbinden?

Karl im Brahm: Über Schnittstellen sind Software-Lösungen in der Tat leichter zu integrieren und system-agnostisch. Dies hilft den Implementierungsprozess zu beschleunigen, die Kosten zu senken und die Flexibilität zu erhöhen. Teilweise müssen ja auch regulatorische Vorgaben in einigen Teilen der Software aktualisiert werden. Da hilft es, wenn einzelne Module unabhängig voneinander aktualisiert werden können, ohne dass das gesamte System beeinträchtigt wird. Wir setzen deshalb ebenfalls auf einen eher modularen Ansatz.

private banking magazin: Beispiel Apobank: Software-Umstellungen gehen im deutschen Bankwesen in steter Regelmäßigkeit schief. Warum?

Karl im Brahm: Eine besondere Herausforderung ist oft die Komplexität der bestehenden Systemlandschaft und die Schwierigkeit, neue Systeme nahtlos zu integrieren. Oftmals müssen bestehende Systeme weiterhin betrieben werden, während neue Systeme parallel eingeführt werden, was den Umstellungsprozess kompliziert und fehleranfällig machen kann. Darüber hinaus kann eine falsch gewähltes Migrationsverfahren zu Verwerfungen führen.

private banking magazin: Wie lässt sich dem vorbeugen?

Karl im Brahm: Der Kommunikation im Ablauf der Transition kommt große Bedeutung zu. Mangelnde Kommunikation und Koordination zwischen den verschiedenen Abteilungen und Teams innerhalb der Bank und der Projektverantwortlichen, die vom Umstellungsprozess betroffen sind, führt zu Missverständnissen und Problemen. Es ist zudem wichtig, dass die Bank ihre Kunden frühzeitig über die bevorstehenden Änderungen informiert und sicherstellt, dass die Kunden ausreichend unterstützt werden, um mit den neuen Systemen zurechtzukommen.

private banking magazin: Objectway ist ein internationales Unternehmen, viele Regulierungen gelten aber auf nationaler Ebene. Hat Objectway deshalb in Deutschland zugekauft?

Karl im Brahm: Mit der Akquisition in Deutschland hat Objectway vor allem sein Portfolio von Wealth- und Asset-Management-Lösungen durch eine Kernbankenplattform erweitert. Wir wollen mit unserer As-a-Service-Plattform Privatbanken, Retailbanken, Vermögensverwaltern und Asset Managern mehr Skalierbarkeit für mehr Leistung bieten, um ihre gesamte Wertschöpfungskette zu unterstützen. Das treibt das Wachstum in der Emea-Region und weltweit voran.

Objectway Blue quote

Der Lösungsraum reicht von Kunden-Onboarding, sogenannten Client-Lifecycl-Management-Systemen und Portfoliomanagement-Lösungen bis hin zu Robo-Advisor-Plattformen und Reporting-Tools.

Testimonial

Karl im Brahm

Objectway CEO DACH Region